Burned

Steffen Heinicke

«Es ist meine Überzeugung, dass unsere Kultur die wirkliche Wahrnehmung der Existenz verloren hat. Sie ist verschleiert. Wir taumeln allenfalls in dem herum, was wir als Wirklichkeit wahrnehmen.»
(Paul McCarthy)

Importiertes Leitungswasser aus Plastikflaschen und rote Weihnachtsmänner in der Adventszeit: Es sind große, Profit orientierte Unternehmen, die unsere Wahrnehmung beeinflussen und bestimmen. Sie haben eine neue Wirklichkeit geschaffen, eine „zweite Natur“ des westlichen Weltbürgers.
In Afrika, weit weg von den Vereinigten Staaten und den europäischen Industriestaaten, ist der Fotograf Steffen Heinicke 2012 über verbeulte, verkohlte Zeugen der Konsumgesellschaft gestolpert.
Vor seinen Füßen erstreckte sich plötzlich eine wie von schwarzen Pestbeulen überzogene Wiese,
… : hunderte verbrannte Flaschen. Die von oben fotografierten Aufnahmen dokumentieren Überreste unserer Zivilisation, die an der Oberfläche der Erde kleben bleiben, ohne sich in den ewigen Kreislauf der Natur einfügen zu können. Es bleibt ein scheinbar unüberbrückbarer Gegensatz zwischen der durch den Menschen geschaffenen (natura naturata) und der den Menschen umgebenden Natur (natura naturans) bestehen.
Einige Scherben schimmern zwar in den gleichen Farbtönen wie die Erde und das verbrannte Gras; eine angekohlte Getränkedose tarnt sich trügerisch mit schwarzer Asche; und eine bis zur Unkenntlichkeit geschmolzene Plastikflasche hinterlässt kaum noch Spuren. Doch ganz verschwinden sie nicht, die furchtbaren Hüllen mit den verheißungsvollen Schriftzügen, welche den Menschen ein Lebensgefühl verkaufen. Sie sind und bleiben künstlich, und werden niemals zu fruchtbarem Humus, der neues Leben schenkt.