California

Steffen Heinicke

C A L I F O R N I A   Inbegriff der Grenzenlosigkeit, vielfältigster Landschaften und endloser Weiten. Orte, die den Wunsch nach stunden- und tagelangem Alleinsein entstehen lassen und die Einsamkeit erlebbar machen Hier ist die Natur noch mächtig und oft stärker als der Mensch. Unzweifelhaft hinterlässt er auch hier seine Spuren, aber er bezwingt sie nie. In diese Landschaften einzutauchen, sich einzulassen auf diese Ruhe und Einsamkeit, sie zu suchen, zu erleben, in ihr Zeit zu verbringen um damit letztlich auch das eigene Zeitbewusstsein zu schärfen, war die Intention der Reise durch den nordamerikanischen Westen und der Begleiter bis zum Ende. In der Auseinandersetzung mit dieser gewählten, über weite Strecken selbst gesuchten Einsamkeit in der Weite der Landschaft, die in ihrer „Klarheit“eine urwüchsige Schönheit offenbart, gewinnt auch das Erleben der Zeit eine tiefere Bedeutung.

Das geduldige Warten am richtigen Ort auf das richtige Licht, die Stunden des vermeintlichen Nichtstuns, werden zu besonders intensiv erlebter, besonders sinnvoll investierter Zeit. Jedes Bild hält so nicht nur die besondere Schönheit des jeweiligen Ortes fest, sondern reflektiert diese Zeit der Ruhe, der Kontemplation und ist gleichzeitig ihr Ergebnis. Intensiviert wird diese auf Film gezeichnete Ort-Zeit-Erfahrung in der Nacht, während der Stunden, die scheinbar unmerklich vergehen. Die in extrem langen Belichtungszeiten entstandenen Bilder zeigen sich erhaben über das Flüchtige des Moments indem sie nur das sichtbar machen, was in der der Natur inhärenten Vergänglichkeit noch von Konstanz scheint: Die Himmelskörper und ihre gleich bleibende, für das Auge kaum wahrnehmbare Bewegung; nicht aber das Verglimmen einzelner Gesteinsbrocken in der Atmosphäre; das Meer, nicht aber seine einzelnen Wellenbewegungen,Felsformationen, nicht aber die Erosion einzelner Steine.

Der Film, so scheint es, sieht in der Nacht nur das Wesentliche, das Substantielle der Natur.