Malerei – Skulptur

Gabriele Schnitzenbaumer

Kontraste und Synthese – Ihr Werk
text. Johannes van Megen

Die Bildhauerin und Skulpteurin Gabriele Schnitzenbaumer ist, darin nur mit einigen Bildhauern der Moderne vergleichbar, die einzige, die die Möglichkeiten der Figuration und Abstraktion zur umfassenden naturbezogenen Synthese zusammenführt. Ihre Skulpturen, zumeist in Ton, aber auch in Materials und der reduzierten organischen oder geometrischen Form, die den monumentalen und sinnlichen Ausdruck frühgeschichtlicher Idole ausstrahlt.

Ihr zentrales Thema, in dem sie die Skulptur nicht nur als Landschaft deutet und als Raum definiert, ist die anteilnahmslose Zuständlichkeit, aber auch die Gequältheit des menschlichen Körpers. Bei ihr gibt es monolithische, gebaute oder Recycling-Figuren, die entweder vom Spannungsverhältnis von Masse und Durchbrechung charakterisiert werden oder von einer tiefbewegenden zeitlosen Empfindsamkeit der atavistischen archaischen Gefühlswelt sprechen.

Thronende, Liegende, Reckende, Ausbreitende, Stürzende, Stehende, Gehende, Schauernde, Fragende, Denkende zeugen von Schnitzenbaumers expressiv-melancholischer Auseinandersetzung mit dem Kosmos und künden von den gegebenen, scheinbar determinierten Einflüssen der Außen-Geistes-Welt auf die menschliche Existenz. Konsequent muss die Heroik dem Leben weichen! Dominante heraldisch-prominente Statuarik verliert sogleich durch mangelnde Festigkeit und Instabilität in ihrer Wirkung an Dauerhaftigkeit. Das labile Gleichgewicht erzeugt in Verbindung mit den extremen Deformationen des Körpers den Eindruck erbarmungswürdiger Verletzlichkeit.Der Kontrast von realistischen, biomorphen, abstrakten und archaisierenden Verformungen sieht die menschliche Figur als kreatürliche anonyme Existenz, wobei Farbfassung, Verfärbung, Modellier- und Ritzspurender Oberflächen das Verletzliche oder Verwundbare noch steigern.


Gabriele Schnitzenbaumer verbindet Elemente der figurativen Kunst mit Abstraktionsformen, die nach wie vor gegenständlich deutlich sind, jedoch das gestellte Thema weiter entindividualisieren und auf eine allgemeine Ebene heben.