Winterhirsch

Brigitta Maria Lankowitz

Brigitta Reuter – so ihr bürgerlicher Name –, geboren in Maria Lankowitz, Österreich, hat an der Photoakademie in Graz studiert.
Und das Geweih aus ihren Selbstporträt-Fotografien zeigt sie uns auch in natura. Brigitta Maria Lankowitz hat es mit Mullbinden umwickelt. Weich sieht es aus, das Horn, nicht mehr aggressiv, keine Waffe, eher verletzlich, empfindlich. Und das Geweih ist geborgen, ist in einem Sack aus Luftpolsterfolie – als hätte man beim Aufstellungsaufbau vergessen, es auszupacken. Aber so liegt es eben wie unter einer Decke – „Winterhirsch“ nennt die Künstlerin ihre Arbeit –, einer Decke aus Schnee, einer Schneewehe.

Ein Geweih, eben nicht an der Wand, nicht in der verrauchten Jagdstubn-Männergesellschaft, sondern ummantelt und in Schutz genommen. Und auch diese Arbeit ist eine Art Selbstporträt der Künstlerin. „Du hast eine Figur wie ein Sack mit Hirschgeweih“, hat ihre Mutter immer zu ihr gesagt – zu ihrer Tochter, ihrem Kind, das ihr wohl so dürr und eckig erschien als Backfisch.

Nikolai Vogel, 2014